Was Museen und Sozialorganisationen gemeinsam haben
Ich berate derzeit unterschiedlichste Museen, ihre Arbeit aus einer neuen Perspektive zu betrachten: mit Blick auf Wirkungsorientierung.
Dabei wird mir immer wieder bewusst, wie ähnlich die Herausforderungen im Museumsbereich und in der Sozialwirtschaft eigentlich sind.
Museum Development Goals: Wirkung neu denken
Ich begleite Museen dabei, sich mit einem dieser Themenfelder intensiver auseinanderzusetzen und ihre eigene Arbeit wirkungsorientiert zu betrachten.
Dabei stehen Fragen im Mittelpunkt wie:
- Welche gesellschaftliche Veränderung möchten wir mit unserer Museumsarbeit anstoßen?
- Was nehmen Besucher tatsächlich aus unseren Angeboten mit?
- Wie können wir erkennen, ob unsere Angebote die gewünschte Wirkung erzielen?
- Und wie können wir diese Erkenntnisse nutzen, um unsere Arbeit weiterzuentwickeln?
Das Ziel ist es, einen neuen Blick auf die eigene Arbeit zu entwickeln. Und diesen Blick öffentlich verfügbar zu machen.
Die Museum Development Goals (MDGs) bieten einen spannenden Zugang, um die gesellschaftliche Bedeutung von Museen genauer zu betrachten. Ausgehend von der Museumsdefinition wurden 18 Themenfelder entwickelt, die unterschiedliche Aufgaben und gesellschaftliche Beiträge von Museen aufgreifen.
Was Museen und Sozialorganisationen verbindet
In meinem Studium der Kultur- und Sozialanthropologie wählte ich als Schwerpunktbereich "Museumsarbeit". In meiner beruflichen Laufbahn habe ich mich vor allem mit Wirkung in der Sozialwirtschaft beschäftigt. Und nun stelle ich fest: Die Herausforderungen sind erstaunlich ähnlich.
Sowohl Museen als auch Sozialorganisationen verfolgen einen gesellschaftlichen Auftrag. Sie möchten Menschen erreichen, Wissen vermitteln, Teilhabe ermöglichen, Perspektiven verändern oder gesellschaftliche Entwicklungen anstoßen.
Dass ihre Arbeit etwas bewirkt, basiert häufig auf Annahmen. Aber wie oft wird tatsächlich überprüft, welche Veränderungen bei den Menschen ankommen?
Ein Museum zählt beispielsweise Besucher einer Ausstellung. Eine Sozialorganisation dokumentiert die Anzahl ihrer Beratungsgespräche. Beides sind wichtige Informationen. Aber sie sagen nichts darüber aus, was sich verändert hat. Hat die Ausstellung neue Perspektiven eröffnet? Hat ein Beratungsgespräch dazu beigetragen, dass jemand selbstständiger handeln kann? Genau hier beginnt Wirkungsorientierung.
Ein neuer Blick auf die eigene Arbeit
Was mich an den Beratungen und Workshops besonders begeistert, sind die Momente, in denen Museumsteams beginnen, ihre eigene Arbeit mit anderen Augen zu sehen. Wenn aus der Frage „Was tun wir?“ plötzlich die Frage wird: „Was verändert unser Angebot eigentlich bei den Menschen?“
Dieser Perspektivenwechsel ist häufig der entscheidende erste Schritt.
Die Methoden, die ich aus der Sozialwirtschaft kennen, lassen sich dabei vielfach auf den Museumsbereich übertragen. Natürlich müssen sie an die jeweiligen Zielgruppen, Angebote und Rahmenbedingungen angepasst werden.
Wirkung sichtbar machen und Erkenntnisse teilen
Im Rahmen der Museum Development Goals entsteht eine Website, die unterschiedliche Praxisbeispiele, Zugänge und Methoden zur Wirkungsorientierung im Museumsbereich zugänglich machen wird. Ich freue mich schon darauf, die Ergebnisse zu teilen.
Denn gesellschaftlich wertvolle Arbeit verdient es in ihrer Wirkung verstanden und sichtbar gemacht zu werden.


